Teufel

Der Deutsche Kulturrat bestätigt: Karneval, Fasching und Fastnacht sind Kultur. Bereits im Mittelalter entstand dieses Brauchtum, das in bestimmten Hochburgen entlang des Rheins, aber auch im Süden Deutschlands als alemannische Fastnacht ausgelassen gefeiert wird.

An den "tollen Tagen" des Karnevals geht es sicher nicht darum, mal so richtig über die Stränge zu schlagen, wie dies leider hier und da zu beobachten ist. Denn Fastnacht ist nicht die Zeit, in der man hemmungslos alle Grenzen sprengen kann. Es geht nicht um legitimierte Sauf- und Fressorgien, nicht um hemmungslose Überschreitung aller guten Sitten, sondern um die Pflege christliche Gebräuche aus dem Mittelalter. Schon die Bezeichnung "Fastnacht" setzen die christliche Fastenzeit voraus, ebenso wie der Karneval aus dem lateinischen "carnis levarem", der den Verzicht auf Fleisch in der Fastenzeit ankündigt. 

Es gibt Stimmen, die behaupten, die alten Römer hätten bereits Karneval gefeiert. Allerdings spricht die erläuterte Bezeichnung des Beginns der Fastenzeit dagegen. Natürlich hatten die Römer die "Bacchanalien", Festlichkeiten zu Ehren von Bacchuus, dem Gott des Weines. Die "Saturnalien" begannen am 17. Dezember und wurden bis zum Neujahrsteg mit üppigen Gelagen gefeiert, bei denen die Herren in vertauschten Rollen ihre Sklaven bedienten, wobei dermaßen ausgelassen gefeiert wurde, dass die Saturnalien als "altrömischer Karneval" galten.

Diese "verkehrte Welt" aus den altrömischen Festivitäten findet sich auch im Karneval wieder, der die hierarchische Ordnung auf den Kopf stellt und das Böse zeigt, gleichzeitig jedoch zur Hinwendung zum Guten auffordert. Die Feiern waren in ganz Deutschland ähnlich und stets auch Anlass zu Klagen über den Karneval, die wegen der Verletzung von Zucht und Anstand auch zur Forderung nach Verboten führten.

Mit der Gründung des Kölner Festordnenden Komitees im Jahr 1823 begann die Fastnachtsreform, der sich entlang des Rheins immer mehr neue Fastnachts-Vereine angeschlossen haben. Der Karneval wurde zunehmend zum Ventil für Intellektuelle, Journalisten und Schriftsteller, die von staatlichen Restriktionen und Zensur bedroht wurden. Sie stiegen dann in die Bütt, teilten ihre eigene Meinung und prangerten mutig Missstände an. 

Die Kritik und Satire, die damals entstand, darf man durchaus als Kulturgut bezeichnen. Doch auch der Ausdruck von Lebensfreude, dem "Spaß an der Freud" wie der Rheinländer sagt, der in der "verkehrten Welt" des Karnevals gefeiert wird, gehört zu dieser Kultur. Doch am Aschermittwoch halten auch die Narren ein: "Memento mori- bedenke, dass du sterblich bist!" heißt es dann bei der Applikation des Aschekreuzes auf der Stirn.

 In diesem zweiten Jahr der Pandemie ist leider alles anders. Keine Karnevalssitzung, kein Straßenkarneval, keine Karnevalsumzüge...

Oder etwa doch? Zumindest die Kölner haben sich was einfallen lassen! Es gibt auch in 2021 Karneval: Ohne Schunkeln, ohne jecke Partys und ohne Singen. Karnevalssitzungen finden im Internet statt, im Autokino-Konzert und als jeckes Drive-in Spektakel auf einem Großparkplatz. Sogar einen Karnevalsumzug wird es geben:

Der Rosenmontagszug findet im traditionellen Hänneschen-Theater im Mini-Format statt. 16 Motiv-Wagen wurden im Kleinformat erbaut. 177 Puppen ziehen mit im Karnevalszug, der immerhin 70 Meter lang sein wird. Ab 14 Uhr rollt der Zug am 15. Februar 2021 in der Übertragung des WDR-Fernsehens. 

"Kölle Alaaf", heißt es dann und gerne auch "Helau" - viel Freude trotz Corona!

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