Das kulturelle Leben in Cloppenburg behauptet sich im dritten Jahr der Pandemie trotz hoher Inzidenzen. Inzwischen sind die meisten Besucher bereits zum Dritten Mal geimpft und Corona hat den Schrecken verloren. Vorsicht bleibt jedoch angeraten; deshalb werden nur etwa 100 statt 160 Besucher eingelassen.  

Das gilt auch für das Gastspiel von Quadro Nuevo. Holm Diedrichs, Vorsitzender vom Förderverein Kulturbahnhof Cloppenburg e.V., hat mit Mulo Francel, dem Saxophonisten von Quadro Nuevo, vor dem Konzert gesprochen.

 Geboren 1967 in München, studierte Mulo Francel Saxophon und Komposition in Linz, München und New York. Mit Quadro Nuevo kletterte er in die TopTen der internationalen Jazz- und Weltmusik-Charts. Mehr als 3.500 Konzerte führten ihn mit Quadro Nuevo rund um den Globus. 

Wie kam es zur Gründung von Quadro Nuevo im Jahr 1996 und welche Musik habt Ihr damals am liebsten gespielt?

Wir haben genau in der Instrumentierung angefangen, in der wir nach Cloppenburg kommen:

Saxophon, Akkordeon, Gitarre und Bass. Damals spielten wir viel Tango, französische Musette-Walzer und italienische Canzoni. Mittlerweile haben wir unser Instrumentarium um Klarinette, Bandoneon und Percussion erweitert und spielen gerne auch Orientalische Grooves und südamerikanisch beeinflusste Songs.

Wie erklärst Du den Erfolg, der Quadro Nuevo mit über 3.000 Konzerten rund um die Welt führte?

Wir haben Spaß am Spielen und am Reisen. Und die Chemie stimmt zwischen uns Musikern. Mit unserem Bassisten Didi spielte ich schon mit 16 Jahren in der Schülerband in unserer Heimatstadt Rosenheim im Voralpenland. Ich glaube es ist immer gut, wenn man über mehrere Jahre mit Freude am gleichen Strang zieht.

Gerade habt Ihr das neue Album „Odyssee“ herausgebracht, das scheint die schon die 22. CD von Quadro Nuevo zu sein. Woher nehmt Ihr nach so viel Vorläufern die Motivation für neue Musik?

Auch das Album Odyssee ist aus vielen Reisen durchs Mittelmeer genährt. Es war ein lang gehegter Traum, der in der kulturlosen Zeit des Lockdowns immer intensiver wurde. Weil wir nicht spielen konnten, haben wir uns viel mit alten Geschichten beschäftigt:

  • Odyseus’ verwegene Rückreise in die alte Heimat.
  • Äneas’ Suche nach einer neuen Heimat.
  • Ikarus’ Flucht und Flug in die Freiheit.
  • Jason und seine Argonauten-Gefährten auf der Jagd nach dem Goldenen Vlies als Symbol für Macht, Reichtum, Glück oder auch Weisheit.

Die großen Fahrten, tausendfach verwoben mit den Göttern und Mythen des Altertums, wurden zu zentralen Epen abendländischer Kultur. Welche Relevanz haben sie heute noch? Bieten ihre Schauplätze mehr als sonnigen Badespaß, mediterranes Essen und ein paar Tempelreste? Gibt es Bezüge zu aktuellen Themen wie Migration, Klimawandel oder Vermüllung der Meere?

In den langen konzertlosen Monaten ab März 2020 begannen wir diesen Fragen nachzuspüren. Wir lasen Homer, diskutierten, komponierten, denn es ist klar: Nach der Pandemie kann man nicht dieselben Lieder auf der Bühne spielen wie zuvor.

Wir hatten nicht das Bestreben, unsere neue Musik wie die mediterrane Welt vor 3000 Jahren klingen zu lassen, dennoch würde die leibhaftige Befahrung ganz neue Melodien gebären. Also wurde eine große Reise geplant. Gestützt auf das Buch Die wirkliche Reise des Odysseus (Armin und Hans-Helmut Wolf) soll sie von der Ägäis vorbei an Sizilien zu den äolischen Inseln, dem „Wilden Westen“ der antiken Welt, führen.

Und zwar segelnd auf dem historischen Zweimaster Florette.

Die Fotograf*innen Annette Hempfling, René van der Voorden und Mike Meyer schließen sich uns Musikern an, es folgen Autor*innen, geschichtsbegeisterte Freund*innen und Journalisten wie der des Altgriechischen kundige Oliver Hochkeppel von der Süddeutschen Zeitung. Wenige Stunden vor der Abreise erhielt das abenteuerliche Kollektiv noch die Flügel des Ikarus von der Flensburger Künstlerin Christiane Limper, mit welchen täglich der Flug in die Freiheit geübt wird.

Zurück nach Hause: In Eurem Webshop habe ein halbes Dutzend sehr schöne CDs für Kinder entdeckt. Ihr bietet sogar Auftritte mit Märchen für Kinder an! Wie kam es dazu?

Wir haben alle Kinder und sind sehr engagierte Eltern. Uns war es ein tiefes Bedürfnis aus alten Kinderliedern wie „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ oder „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ was Neues zu schaffen. Die Kinder sollen mitbekommen, dass Musik auf echten Instrumenten Spaß macht.

Erreicht Ihr Eltern, die sonst eher selten ins Konzert gehen, über Euer Kinderprogramm oder sind es die Großeltern, die mit ihren Enkeln zu Euch kommen? 

Beides. Und die Kinder sind vielleicht the next generation der Konzerthörer*innen.

Wer ist Euer Publikum heute? Wer kommt in Eure Konzerte? Welches Publikum findet Ihr spannend?

Es sind Leute, die fremde Kulturen interessant finden, die Jazz mögen, die selbst Instrumente spielen. Wir mögen jeden, der sich dem kollektiven Hörerlebnis hingibt. Der sich für zwei Stunden mit uns in die Parallelwelt der Musik begibt. 

Im Pressetext zu unserem Album MARE schrieben wir:

„Setz die Sonnenbrille auf, hör diese Musik - und die trivialen Sorgen des Alltags verlieren sich als verschwommene Erinnerungen an ein längst schon entschwundenes Gestern in der Ferne.“

Dazu stehen wir ;)

Werden die Kids von heute, die sich fast nur noch digital amüsieren, in Zukunft auch in Eure Konzerte kommen? Was müsst Ihr dafür tun, um auch in 10 Jahren noch gut besuchte Konzerte zu erleben?

Diese Frage gab es schon vor 10 Jahren und wir haben heute immer noch viele volle Häuser. Lasst uns positiv bleiben und gute Kunst machen. Wir danken übrigens allen Veranstalter*innen, die mit viel Leidenschaft und Sachverstand Konzerte organisieren. Sie sind genauso wichtig wir die Künstler*innen und das Publikum.

Wir alle waren in den letzten 2 Jahren viel zu Hause. Im letzten Jahr, 2021, hattet Ihr sogar 25jähriges Bühnenjubiläum. Wo nehmt Ihr in dieser Zeit die Inspiration her, wo doch so wenig Kontakt mit Publikum möglich war?

Wir haben einige Streams gemacht und auch Streams von anderen Bands organisiert. Das hielt uns am Laufen. Da war Social Media sogar mal für was gut.

Was nehmt Ihr bzw. was werden wir alle aus der Pandemie als Lehren mitnehmen?

Man darf nicht verzagen. Man sollte flexibel bleiben. Man sollte es überaus schätzen, wenn alles gut läuft, denn nichts ist selbstverständlich.

Wie läuft dieses Jahr für Euch und was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?

Es wurde auch dieses Jahr ein großer Teil der Konzerte abgesagt. Und die gespielten Abende haben weniger Publikum, daher auch beträchtlich kleinere Gagen. Wir schlucken das und freuen uns auf jeden Auftritt, den wir spielen dürfen. Nach Cloppenburg kommen wir mit Paulo Morello, einem tollen Gitarristen, mit dem wir noch nicht oft gespielt haben. Wir waren aber schon einige Male zusammen unterwegs. Sogar schon auf Italien-Tour. Es ist immer erfrischend mit ihm. Wir verstehen uns gut und lachen viel!

Übrigens habt Ihr eine sehr gute und informative Webseite, die man sich anschauen sollte unter https://quadronuevo.de/

Vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns sehr auf Quadro Nuevo!

Wir auch!

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